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Über das Rundbild
Bourbaki Panorama Suisse-View 360°
Bourbaki Panorama Rundbild Interaktiv

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  • Gegen Ende des 18. und im 19. Jahrhundert entwickelten sich neue Medien, die die Welt möglichst wirklichkeitsgetreu nachzubilden versuchen. Mit allen möglichen optischen und modernsten technischen Tricks wurde dem Publikum die Illusion vermittelt, selber dabei zu sein: Mitten im Schlachtgetümmel zusammen mit grossen Helden, als Augenzeuge bei der Kreuzigung Jesu, als mutiger Bergsteiger hoch oben auf dem stolzen Gipfel, als kreisender Vogel über der eindrücklichen Architektur der Stadt.
  • Aus der allgemeinen Seh-Lust erwuchs eine eigentliche Seh-Sucht. Eidophusikon, Stereoptikon-Zyklorama, Zimmerpanorama-Kosmorama, Grosspanorama waren die Sensationen der Vorkinozeit. Sie bereicherten die Jahrmärkte oder waren – wie das Bourbaki Panorama von Luzern – als moderne Paläste der Freizeit und des Amüsements unübersehbar im öffentlichen Raum.
  • Das Bourbaki Panorama ist ein Zeuge der Sehlust der Menschen des 19. Jahrhunderts. Das riesige Rundgemälde aus dem Jahre 1881 gehört zu den beeindruckendsten Sehspektakeln der Mediengeschichte. 112 mal 10 Meter gross, zeigt es die französische Ostarmee des Generals Bourbaki bei ihrem denkwürdigen Übertritt in die Schweiz während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 – eine aufwühlende Anklage gegen den Krieg und ein eindrückliches Zeugnis menschlicher Hilfeleistung.
  • Dem Gemälde vorgelagert ist ein plastisch gestaltetes Gelände mit Figuren, das die ganze Szenerie in einer verblüffend dreidimensionalen Wirkung zur Geltung bringt. Gemälde und Vorgelände erzeugen zusammen eine Illusion, die Besucherinnen und Besucher an einen anderen Ort und in eine andere Zeit entführt.
  • Das Bourbaki Panorama Luzern stellt im Umfeld der Panoramaproduktion des 19. Jahrhunderts ein aussergewöhnliches Unikat dar. Es entführt seine Besucherinnen und Besucher zwar in die Welt von Krieg und Militär, es verzichtet aber auf die Verherrlichung von militärischem Heldentum und siegreichen Schlachten. Das Bourbaki Panorama ist vielmehr eine Anklage des Krieges. Es präsentiert die negativen Seiten, das menschliche Schicksal, das Elend und vor allem die humanitäre Hilfe an die Leidenden. Es sticht damit aus der Panoramaproduktion der Epoche heraus und ist das einzige Panorama mit einer derartigen inhaltlichen Gewichtung. Die Erklärung dafür findet sich in der speziellen Rolle der Schweiz und deren Bewohner bei der Bewältigung des auf dem Panorama dargestellten Geschehens. Die Schweizer hatten namhaften Anteil an der Linderung des Leidens. Dies wiederum legte die Basis für die Themenwahl des Panoramas.
  • Das Bourbaki Panorama ist ein selten gewordener Zeuge der Unterhaltungskultur des 19. Jahrhunderts, der Epoche vor der Erfindung des Films. Die Menschen des 18. und des 19. Jahrhunderts wurden von der Sucht getrieben, durch optische Illusionen in fremde Welten entführt zu werden. Panoramen gehören zu den populärsten Attraktionen jener Zeit und werden immer aufwändiger, grösser und realistischer. Sie haben die Aufgabe, das Volk zu verblüffen und zu informieren. Während dieses Jahrhunderts herrschte eine eigentliche Sehlust, die weltweit mit den Illusionsmaschinen Panorama befriedigt wurde. Hunderte grosser Rundbilder wurden gemalt und auf Wanderschaft geschickt, um möglichst viele Besucherinnen und Besucher zu begeistern.
  • Die Gäste sollten im Panorama durch Raum und Zeit entführt und zu Teilnehmenden des dargestellten Ereignisses werden. Panoramen entwickelten sich so zum ersten Massenmedium der Menschheitsgeschichte. Von den vielen hundert Rundbildern existieren heute weltweit nur noch gerade rund 15 Stück aus dem 19. Jahrhundert. Der Rest wurde zerstört.

  • Der irische Maler Robert Barker liess 1787 in London eine Erfindung patentieren, die kurz darauf unter dem Namen «Panorama» bekannt wurde. Seine Erfindung war ein naturalistisch gemaltes Rundbild. Dieses war derart gross, dass es die Betrachtenden rund umgab und sie so in die Darstellung miteinbezog. Ab den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Panoramabilder häufig mit einem sogenannten Faux-Terrain – einem dreidimensionalen Vorgelände mit Figuren und Requisiten – erweitert.
  • Die Normgrösse eines Panorama-Gemäldes war rund 110 Meter auf 14 Meter. Beliebteste Bildthemen waren Städte und Landschaften, historische Schlachten zu Lande und auf dem Meer, sowie die Passion Christi. Aufkommen und Erfolg der Grosspanoramen stehen im Zusammenhang mit dem enormen Wachstum der Städte. Panoramen waren nur mit einer grossen Zahl von Besucherinnen und Besuchern wirtschaftlich zu betreiben. Von den alten Panoramagemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind weltweit nur 27 übrig geblieben. Heute erlebt die Medienform Panorama einen eigentlichen Boom. Rund um den Globus entstehen neue Panoramabilder in alter Tradition oder neu umgesetzt mit modernen Techniken. Als es noch kein Kino gab, besuchten die Menschen andere optische Sensationen. Das Panorama war eine davon.
  • Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 wurde in Panorama-Gemälden häufig dargestellt. Ein belgisches Panorama-Unternehmen entdeckte den Übertritt der französischen Bourbaki-Armee in Les Verrières/NE als geeignetes Thema für ein Schweizer Panorama. Zusammen mit dem Genfer Unternehmer Henneberg engagierte man den Genfer Architekten Jacques Elysée Goss für den Bau der Panorama-Rotunde an einer grossen Ausstellung in Genf und den Genfer Kunstmaler Edouard Castres für das Rundgemälde
  • Die ursprünglichen Masse des Bildes entsprachen denen eines in jener Zeit verbreiteten Normpanoramas, 14 bis 15 Meter in der Höhe und 112 Meter im Umfang. Beim Ein- und Erweiterungsbau einer Autogarage im Erdgeschoss des Panorama-Gebäudes wurde das Bild 1926 und 1949 am oberen Rand jeweils um gut zwei Meter – total also um mehr als 4 Meter – beschnitten. Die heutige Höhe beträgt knapp 10 Meter.
  • Kanonengrollen aus der Ferne, wiehernde Pferde und anderes mehr bilden die Geräuschkulisse, die die Betrachterinnen und Betrachter fesselt. Eine Hörfolge, in der Pasteur Clerc seiner Tochter erzählt, wie er die Internierung der Bourbaki-Armee in jungen Jahren erlebt hat, rundet das akustische Erlebnis ab.
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